Missionar Hermann Bahlburg - ein Heimattreuer aus Jesteburg                                                                        327




Durch die Machtergreifung der Nazis in Deutschland (1933) mit stren­gen De­vi­sen­be­schrän­kun­gen und durch den italienisch - äthiopischen Krieg (1935-1936) kamen schwere Zeiten für die Mission. Die Italiener besetzten das bisher selbständige Land und machten es zu einer Kolonie. Die Missionare in der Hauptstadt Addis Abeba und im Inland konnten wegen der unsicheren Kriegs- und Herrschaftsverhältnisse zeitweise nur eingeschränkt arbeiten. 1941, während des Zweiten Weltkriegs, wurde Äthiopien durch britische Truppen besetzt. Tausende von Italienern und auch die Gruppe der ungefähr 60 Deutschen im Lande wurden interniert. Die meisten Männer wurden nach Ostafrika (Kenia, Uganda) in Internierungscamps gebracht, die deutschen Familien nach fast zwei Jahren in verschiedenen Lagern nach Deutschland „heimgeschafft”, wo sie 1943 mitten im Krieg ankamen (Heimschaffungsaktion unter Leitung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuzes IKRK und unter Einschaltung der neutralen Schweiz). 

Bahlburg konnte erst im Frühjahr 1948 aus siebenjähriger Gefangenschaft in Afrika nach Deutschland zu seiner Familie zurückkehren. Er arbeitete zunächst wieder für die Mission. Wenige Monate später kam es zu einem Konflikt zwischen der Leitung der Hermannsburger Mission und ihm, der zu seinem Ausscheiden aus der Mission führte. 

Die Missionsleitung belegte Bahlburg ohne Verfahren kurzerhand mit einem Predigtverbot, weil man, wie sie vorgab, aufgrund von Berichten über seine Äußerungen zur Internierung befürchten musste, dass es zu Konflikten mit der englischen Besatzungsmacht in Deutschland kommen könnte. Hinzu kam eine Beschuldigung aus Addis Abeba, die ihn letztlich zu einem Nazi denunzierte, was heute widerlegt ist. Das Predigtverbot hat Bahlburg tief verletzt. Es war - wie wir heute wissen - schließlich nicht durch eine reale Gefährdung der Hermannsburger Mission begründet, sondern auf die Unsicherheit in der Nachkriegszeit und auf persönliche Differenzen zurückzuführen. 

Der Konflikt wurde seitens der damaligen Missionsleitung unter dem Direktor August Elfers mit einer Härte geführt, die weite Teile der Missionsgemeinde im Lande verstörte. Manche Menschen aus nah und fern versuchten, zur Lösung des Konfliktes beizutragen, darunter waren auch sein Bruder Wilhelm, Zimmermeister aus Jesteburg, und der ganze Kirchenkreis Winsen. Leider waren alle diese Versuche stets vergeblich, weil es keine Bereitschaft zur Zurücknahme des Predigtverbots gab. Viele in der Missionsgemeinde landauf, landab erinnerten sich an Bahlburgs Wirken in den Zwanzigerjahren von Thelstorf aus. Und die Missionsfreunde hatten ja gehört, dass die Äthiopienmission vor dem Krieg einen vielversprechenden Anfang genommen hatte. Als Missionare wieder nach Äthiopien ausreisten (1951), fanden sie ein wachsendes evangelisch - lutherisch geprägtes christliches Leben im Arbeitsgebiet der Hermannsburger Mission und darüber hinaus aufgrund der Arbeit anderer Missionen vor. Ein Teil davon war auch eine Frucht der ers­ten Auf­bau­jah­re un­ter der Lei­tung des jetzt eher tot­ge­schwie­gen­en Grün­dungs­mis­sionars aus Hermannsburg. 

Als Bahlburg endlich wieder in Deutschland war, erhielt er aus vielen Orten Einla- dungen. Man wollte den Mann, der eine ganze Generation für die Mission in den Zwanzigerjahren gewonnen hatte, wieder hören, auch wie es ihm während des Krie­ges und in der Ge­fangen­schaft er­gangen war. Aber er wurde durch Her­manns­burg von der Mis­sions­ge­mein­de auch in der Lan­des­kir­che iso­liert. Nur ver­ein­zelt hat er noch Got­tes­dienst hal­ten kön­nen, was er am lieb­sten in Platt­deutsch tat.

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