328                                                                        Missionar Hermann Bahlburg - ein Heimattreuer aus Jesteburg




Niederdeutsch als Arbeitsschwerpunkt - Lebensabend 

Hermann Bahlburg verließ 1950 mit seiner Familie Hermannsburg, wo diese während des Krieges gelebt hatte, und kehrte in seine engere Heimat in der Nordheide zurück. Die Familie bezog ein kleines Haus in Handeloh, das am Giebel die Aufschrift „Heidjers Ruh” trug. Das bezog Bahlburg auf sich und fügte hinzu: „Jetzt bin ich wieder im Kirchspiel Jesteburg ansässig”, zu dem Handeloh damals noch gehörte. Zum Oberlauf der Seeve, deren Quelle sich unweit bei Wehlen im Naturschutzgebiet um den Wilseder Berg befindet, war es für ihn nur ein Spaziergang. In Handeloh lebte er als niederdeutscher Sprachforscher und Schriftsteller. 

Trotz Leben und Arbeit im damals noch ferneren Afrika blieb Hermann Bahlburg immer mit seiner Heimat auch geistig verbunden. Plattdeutsch war schon in der Heimatmission in Thelstorf seine bevorzugte Umgangs-, Arbeits- und manchmal auch Predigtsprache. In Äthiopien wollte er am liebsten nur plattdeutsche Mitarbeiter um sich haben. Das Plattdeutsche wurde auch in Afrika und wird in der eigenen Familie bis heute gesprochen. Interniert in den britischen Camps von Kenia und Uganda sammelte er plattdeutsche Wörter (ca. 30.000) für eine spätere Veröffentlichung, übersetzte hochdeutsche Texte ins Plattdeutsche und verfasste eigene Gedichte in seiner Muttersprache. Vor allem arbeitete er an einer Rechtschreibung des Niederdeutschen. Er glaubte, dass eine Sprache, die zwar ein eigenes Schrifttum besitzt, noch besser dastünde, wenn sie auch eine einheitliche und verbindliche Schreibweise (Rechtschreibung) besäße. Der spürbare Rückgang der niederdeutschen Kultur könnte dadurch vielleicht aufgehalten werden. Um das zu fördern, brachte er 1949 nicht nur einen plattdeutschen Sprachweiser  - „Plattdüüdscher Spraokwieser in Haidjer Pladd” - als Frucht der Gefangenschaft, sondern ebenfalls 10 Jahre lang sein Monatsblatt „Pladdüüdsch' Häimaodbladd”, später „Norddüüdsche Häimaod” (1951-1961) heraus, mit dem er auch sein nicht vollendetes Vorhaben einer plattdeutschen Bibelübersetzung verfolgte. 

In den Fünfzigerjahren versuchte die Hermannsburger Mission, den Konflikt mit Hermann Bahlburg zu bereinigen. 1951 wurde das Predigtverbot nachträglich als eine „Bitte, nicht zu predigen” bezeichnet. 1961, unter ihrem neuen Direktor Hans Robert Wesenick und ein Jahr vor Bahlburgs Tod, wurde diese „Bitte” aufgehoben. Eine solche rein verbale Abmilderung konnte die Schmach des einmal in die Welt gesetzten und mit Härte administrierten Predigtverbots, das wie ein „Berufsverbot” wirkte, aber nicht tilgen. 

Hermann Bahlburg starb am 19. Februar 1962 im Alter von 69 Jahren. Der Platz auf dem Friedhof in Handeloh, wo er unter einer Eiche und von Wachholdern umgeben begraben liegt, ist für ihn Teil seiner geliebten Heideheimat. Die Schwierigkeiten, die er mit der Missionsanstalt erlebt hatte, beeinträchtigten seinen christlichen Glauben nicht. Hermann und Minna Bahlburg behielten ihre innere Verbindung zum Glauben aus lutherschem Verständnis. Daraus folgte ihr Dienst für die Mission, den sie auch stets als einen Dienst an der Heimat ansahen. Beides gab ihnen Kraft und Freude für ihr Leben.

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